Cai Guo-Qiang: Flying Carpet, 2006. Foto: Hans Schröder, Marta Herford.

Der „Flying Carpet“ von Cai Guo-Qiang gelangte 2005 als eines der ersten Werke in die Sammlung Marta. Die Ausstellung „Magie und Macht – Von fliegenden Teppichen und Drohnen“ bietet uns eine wunderbare Möglichkeit, das Kunstwerk wieder durch die schwingende Gehry-Architektur schweben zu lassen.

Aus diesem Anlass habe ich dem Künstler 5 Fragen gestellt. Cai Guo-Qiang studierte von 1981-1985 Bühnenbild an der Theaterakademie in Shanghai. Seit 1995 lebt und arbeitet er in New York. Seine Werke wurden in zahlreichen internationalen Museen gezeigt u.a. in der Tate Modern, im Centre Pompidou, im Metropolitan Museum und dem New Yorker Guggenheim Museum sowie im Pekinger Nationalmuseum. 1999 erhielt er den Goldenen Löwen der 48. Biennale von Venedig.

Dein Werk „Flying Carpet“ wurde erstmals 2005 bei Jan Hoets Eröffnungsausstellung von Marta Herford „(my private) Heroes“ gezeigt. Wie kam es zu der Einladung?

Ich war seit Jahren mit Jan befreundet und jedes Mal, wenn er ein neues Projekt plante, lud er mich ein, ein neues Werk zu machen. So war es auch bei der Eröffnungsausstellung von Marta Herford.

Das Werk besteht aus einem Teppich und Bambuspfeilen. In welcher Tradition stehen die Objekte für Dich?

Das Werk „Flying Carpet“ steht für das Ringen und Leiden einer Kultur und ihren Kampf um ihr Schicksal und ihre Bestimmung.
Es handelt sich um einen arabischen Teppich und die Leute kennen die Geschichte vom „Fliegenden Teppich“. Er ist durchbohrt von Pfeilen, was als Metapher für einen Konflikt gelesen werden kann, oder einen Angriff auf eine Kultur, auf die Gesellschaft, politisch oder wirtschaftlich. Es gibt viele Möglichkeiten der Deutung. Die Lesart und Interpretation des Werkes ist frei und ändert sich je nachdem, aus welchem Zusammenhang man auf das Werk schaut. Aber die eben aufgeführten Bezüge bringen das Werk wieder näher nach Hause.

Zerplatzt hier unser Traum vom Fliegen und von der Freiheit?

Pierre Théberge, ehemaliger Direktor der National Gallery of Canada, sagte zu dieser Installation, die 2006 in meiner dortigen Einzelausstellung „Long Scroll“ ausgestellt wurde: „ ‚Flying Carpet‘ ruft in uns romantische Bilder der Fantasie auf, aber seine magische Leichtigkeit wird durch Pfeile einer unbekannten und böswilligen Kraft beschwert.“

Du bist 1957 in Quanzhou in China geboren und lebst heute in New York. Wie blickt man in China auf das Werk?

Der Teppich erinnert auch an einen Kranich oder an einen fiktiven Vogel, den Roch, der, wie man erzählt, in früheren Zeiten lebte und den man in der arabischen und in anderen Mythologien findet. Chinesen sprechen vom ihm als wäre er ein realer Vogel. Das Werk lässt uns innehalten: Es bringt Gefühle zutage, die schwer zu artikulieren, kategorisieren oder zu definieren sind. Aber ich glaube das ist das Wesen der Kunst: Fragen aufzuwerfen, aber nicht zwingend Antworten zu liefern.

An welchen Ort würdest Du den Teppich gerne mal fliegen lassen?

Ich würde ihn in die arabische Welt fliegen lassen… oder nach China.

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