Porträt von Julia Steiner vor ihrer Wandzeichnung

In unserer Ausstellung „Harmonie und Umbruch – Spiegelungen chinesischer Landschaften“ präsentiert die Künstlerin Julia Steiner gleich vier Arbeiten. Eins der Werke, eine rund 1000 x 1000 cm große Wandarbeit, die die Wände der Gehry-Galerien empor steigt, ist eigens für Marta entstanden. Für unseren Blog haben wir Julia Steiner fünf Fragen zu ihrer Arbeit gestellt.

 

Zur Person

Julia Steiner, *1982 in Büren zum Hof, Schweiz, hat in Bern und Berlin studiert. Sie lebt und arbeitet in Basel.

 

Für Marta Herford hast Du eine Zeichnung direkt auf der Wand entstehen lassen. Inwieweit hat Dich dabei die Architektur des Gehry-Baus inspiriert?

Meine Wandzeichnungen entstehen während des Machens direkt vor Ort, dabei ist meine Wahrnehmung vom Raum sehr wichtig. Im Marta Herford haben mich die Biegungen der Wände und die Höhe, welche sich gegen die Oberlichter öffnet, besonders inspiriert. Dem Raum ist durch die Architektur schon eine Bewegung eingeschrieben und ich habe mit der Wandzeichnung versucht, diesen Schwung aufzunehmen.

 

Du hattest letztes Jahr eine Ausstellung in Peking. Welchen Einfluss haben die chinesische Kunst bzw. fernöstliche Traditionen auf Deine Arbeit?

Eine Nähe zwischen meiner Arbeitsweise und der daoistischen Philosophie hat mich vor ein paar Jahren nach China geführt. Aber ich denke, die chinesische Kunst hat keinen Einfluss auf meine Arbeit. Es ist viel mehr das Beobachten des Alltags, das mich inspiriert. Die Andersartigkeit steigert die Wahrnehmung und ist sehr anregend. In China spüre ich eine große Energie und eine enorme Spannung und Lebendigkeit, die meine Arbeit beeinflussen.

 

Blick in die Ausstellung „Harmonie und Umbruch“ mit der Wandarbeit von Julia Steiner, Ohne Titel, 2015.

 
Was bedeutet „Landschaft“ für Dich?

Meine Arbeiten sind eher innere Landschaften. Dabei verstehe ich „Landschaft“ als Raum, der erfüllt ist von Bewegung und Zirkulation, geprägt von den sich ständig wandelnden Elementen Wasser, Erde, Wind und Feuer. Die Landschaft wird getragen von Zyklen und Rhythmen: dem Wachsen, Werden und Vergehen. Von Tag und Nacht, von Ebbe und Flut und dem Auf und Ab des Atems.

 

Arbeitest Du noch mit anderen Materialien?

Parallel zu den zeichnerischen Arbeiten entstehen immer wieder Objekte und Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien. In der Ausstellung im Marta sind zwei neue Arbeiten aus ungebranntem, lackiertem Ton zu sehen („ground pieces“). Sie sind, ähnlich wie die Zeichnungen, direkt während des Arbeitsprozesses entstanden. Ich verforme und modelliere den Ton so lange, bis sich eine Art innere Landschaft abzeichnet, welche eine Bewegung und Energie einfängt, die mich interessiert.

 

Schwarze Landschaft aus Ton, Lack und Holz: „ground piece (IV)“, 2015.

 
Ist Dein Werk eher „Harmonie“ oder „Umbruch“?

Für mich beinhalten meine Werke beides. Sie streben einerseits nach einer Harmonie, aber es gibt immer wieder Brüche und eine Dynamik, welche gleichzeitig etwas Destruktives und etwas Konstruktives an sich hat.

 

Das Interview führte Nelly Birgmeier

Foto Julia Steiner: © Kostas Maros

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