Installation von Monika Grzymala in der Marta-Ausstellung Der fremde Raum

Monika Grzymala: „Raumzeichnung (der fremde Raum)“, 2016

Während des Aufbaus für die Ausstellung „Der fremde Raum“ waren acht internationale KünstlerInnen vor Ort im Marta Herford. Als eine von ihnen realisierte Monika Grzymala in nur einer Woche eine Wandzeichnung mit Klebeband, die widerständig der Schwerkraft trotzt und entgegen aller physikalischen Gesetze die Räume durchbricht. 1970 in Zabrze, Polen geboren, lebt Monika Grzymala heute in Berlin und zeigt ihr Werk weltweit. Nach einer Ausbildung zur Steinbildhauerin in Kaiserslautern studierte sie Freie Kunst und Bildhauerei in Karlsruhe, Kassel sowie in Hamburg und unterrichtete selbst bereits in Braunschweig und Wien. In einem persönlichen Gespräch verriet sie mir, wie alles begann und welche Idee sie für diese besondere Ausstellung hatte.

Wann und wie bist Du erstmals zu Deinen sogenannten „Raumzeichnungen“ gekommen?
Der Begriff „Raumzeichnung“ entstand vor langer Zeit ganz spontan im Arbeitsgespräch mit meinem Kunstprofessor Bogomir Ecker. Damals arbeitete ich noch figürlich und er stellte treffend fest, dass es mir eigentlich eher um das Dazwischen ginge, als um die Figuren selbst. Der Begriff „Raumzeichnung“ entspringt also einem Gedankenspiel mit der Idee, dass die Zeichnung aus dem Raum heraus entsteht und darin einen eigenen Raum findet. In dieser Ausstellung trägt meine Installation jetzt den Titel „Raumzeichnung (der fremde Raum)“. Die zweifache Verwendung von „Raum“ ist hier bewusst gewählt, da die Raumzeichnung an einer Stelle sich selbst und ihren Betrachter spiegelt.

Die Arbeit besteht aus mehreren Kilometern schwarzem Klebeband und silberner Vinylfolie. Du verspannst Wände und Boden miteinander und vermisst den Raum neu. Dabei versetzt Du den geschwungenen Bau von Frank Gehry noch einmal in Bewegung. Welche Energien hast Du in dem Raum vorgefunden und wie genau bist Du damit umgegangen?
Die große Gehry-Galerie ist ein aufwärts strebender Raum, der sich in einer großen Bewegung um die eigene Achse dreht. Im sogenannten Dom sehen wir außerdem die geschlossene hölzerne Außenhaut der Installation von Henrique Oliveira und die vertikale Struktur des Gerüsts als Teil der Arbeit von Peter Buggenhout. Diesen massiven Energien wollte ich eine horizontal schwebende Form im Schwarz-Weiß-Kontrast entgegensetzen und gleichzeitig eine weitere Ebene des Raums öffnen. In der Ecke, die ich großflächig mit spiegelnder Vinyl-Folie beklebt habe, wird die X- und Y-Achse definiert und eine weitere Z-Achse gebildet. In dieser spiegelnden Oberfläche entsteht ein Raum im Raum, der den Betrachter als Silhouette wiedergibt und damit eine andere Perspektive auf alles bietet.

Künstlerin Monika Grzymala mit Marta-Direktor Roland Nachtigäller

Du arbeitest immer allein – warum?
Eine verbale Formulierung der Schaffensabläufe vorab würde mich aufhalten im Prozess der Bildfindung. Es gibt Künstler, die ihre Arbeit in andere Hände geben – ich hingegen gehöre zu den KünstlerInnen, die eine persönliche, unmittelbare Auseinandersetzung mit Raum und Material suchen. Da würde ein Assistent nur stören.

Dein Arbeitsmaterial wirkt einerseits sehr materiell-körperlich, nahezu muskulär, und andererseits immateriell-ungreifbar. Was reizt Dich daran?
Mit einfachen Mitteln komplexe Raumüberlegungen auszudrücken und im Prozess zu entdecken war für mich schon immer spannend. Da meine künstlerische Arbeit mit der Bildhauerei begonnen hat, spielt auch die physische Raumwahrnehmung eine wichtige Rolle. Die Bildidee wird durch Bewegung im Raum ausgelotet. In der Raumzeichnung bringe ich zum Ausdruck, dass der bildnerische Prozess ein von Hand oder Körper geführtes Denken ist.
Das Material und seine Verwendung ermöglichen es also, dass die Idee vom Kopf direkt in die Hand fließen kann.

Das Material bringt aber auch mit sich, dass sich das Klebeband gelegentlich ablöst und die Struktur sich verändert. Wie gehst Du mit der Tatsache um, dass dies jenseits Deiner Kontrolle geschieht, und was bedeutet es für Dich, dass diese Arbeiten nicht für die Ewigkeit gemacht sind?
Kunstmachen generell und das Aufbauen einer Zeichnung im Raum sind aus meiner Sicht ausgesprochen organische Prozesse, in denen Geist und Körper sichtbar werden. Alles Organische verändert sich im Laufe der Zeit als natürliche Gegebenheit, es entsteht und vergeht im ewigen Kreislauf des Lebens. Im Zusammenspiel von künstlerischer Handlung und physikalischen Kräften ist meine Raumzeichnung also ein temporäres So-Sein, ein vorübergehendes Sich-Einfinden der Form. Was bleibt, ist die Erfahrungserinnerung beim Ausstellungsbesucher und die Dokumentation der immer wieder neuen, einmaligen Prozesse in meinen Katalogen.

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