Wir alle schauen uns gerne Ausstellungen an, beschäftigen uns mit ihren Inhalten und den Geschichten, die sie uns erzählen. Nur selten stellen wir dabei die Frage, wer diese Ausstellungen aufgebaut, wer die Werke ausgepackt und mit Künstlern und Ausstellungsmachern installiert hat und vor allem, wer diese Menschen eigentlich sind.

Unsere Reihe über Marta-Mitarbeiter beginnt mit einem langjährigen Mitglied des Aufbauteams: Lefty, wie Andreas Neumann schon seit Kindheitstagen genannt wird. Seitdem er 17 ist, hat ihn die Kunstszene gepackt. In dieser Zeit hatte er auch seine erste Ausstellung, für die er Wissen und Geschick aus seiner Schlosserlehre für sein Möbeldesign nutzte. Aus der Notwendigkeit dies auch dokumentieren zu wollen, erlernte er das Fotografenhandwerk und stellte schnell fest, dass er hier sein künstlerisches Ausdruckmedium gefunden hatte. Über Stationen in Berlin und Gießen kam er schließlich mit Ende 20 zum Studium der Fotografie nach Ostwestfalen. Mit einem nachgeholten Abitur und beruflichen Erfahrungen in der Filmbranche in der Tasche, bewarb er sich an der FH Bielefeld und ließ das Schicksal entscheiden (schließlich war es seine einzige Bewerbung). Es entschied für ihn.

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Aus dem turbulenten und hippen Berlin in das beschauliche Ostwestfalen – statt einen Kulturschock zu erleiden, empfand er die Ruhe als positiv und nutzte sie, um sich intensiv mit der Fotografie zu befassen. Mehrere Fotoserien, Ausstellungen unter anderem in Berlin, Brüssel oder Sarjevo, und in renommierten Sammlungen wie der belgischen Lhoist Collection vertreten – die Ruhe scheint sich bezahlt zu machen. Auch im Marta selbst baut er nicht nur Ausstellungen auf, sondern stellte selbst 2007 bei OWL I seine damals aktuelle Serie „Heroes“ aus.

Wenn man einen Blick auf seine folgenden Werke wirft, zeigt sich Russland sehr deutlich als ein Schwerpunkt seiner künstlerischen Auseinandersetzung . Doch wie nahm diese Leidenschaft ihren Lauf? Gemeinsam mit einem Freund machte er sich ganz unbedarft auf den Weg nach Sibirien, um hier eine Sekte zu porträtieren. Ohne Sprachkenntnisse, nur mit Visum und einer Kamera bewaffnet, entfachte so seine Liebe zu diesem Land. Verstärkt wurde sie sicherlich auch durch seine in Weißrussland geborene Freundin Anna Jazewitsch, die Andreas Neumann gemeinsam mit ihrem Vater in der Serie „Mein Vater“ porträtierte.

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In dem Projekt „Die letzten Zeugen“, beschäftigte sich der Fotograf mit russischen Kriegsveteranen, die sich noch einmal in ihre Uniformen warfen. Statt im Schützengraben sollten sie in ihrem alltäglichen Umfeld abgebildet werden. Doch es war ein mühsamer Weg bis zur fertigen Fotoserie: Vor einem Tribunal musste er seine Idee vorstellen und auf Zustimmung hoffen. Das Tribunal in Uniform, er in Jeans und Turnschuhen – überzeugen konnte er trotzdem.

Auch in diesem Jahr will Andreas Neumann, wie eigentlich jedes Jahr, wieder nach Russland reisen – wir sind schon gespannt, welche fotografischen Geschichten er dieses Mal mitbringen wird. Doch vorher steht noch ein anderes aufregendes Kapitel für ihn an: Gemeinsam mit seiner Freundin wird er die „Fotobox“ am Bielefelder Kesselbrink, ein konventionelles Fotostudio für Privat- und Firmenkunden, eröffnen. Los geht es am ersten April.

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