Ausstellungsansicht „Momente der Auflösung“

Letztes Jahr feierte das Marta seinen zehnten Geburtstag. Für uns war dies ein Anlass einen Blick zurück zu werfen. Welche Ausstellungen es in diesem Zeitraum gegeben hat, lässt sich z.B. einfach durch eine Auflistung der Ausstellungstitel oder an der Anzahl unserer Publikationen feststellen. Wie allerdings erinnern sich Beteiligte und Besucher? Welche Spuren wurden vor Ort hinterlassen? Relikte, die für immer bleiben.

Jeder Museumsbesucher kennt das: Es gibt Ausstellungen, die einen nachhaltig beeinflussen, mit denen man sich immer wieder beschäftigt. Mit anderen wiederum kann man nicht so viel anfangen und sie bleiben nicht wirklich im Gedächtnis. Vielleicht bewahrt man die Eintrittskarte auf, erwirbt einen Katalog, den man dann wenig später wieder ins Regal verstaut. Die Reflektion des Gesehenen findet nur bedingt statt. Als Museumsmitarbeiter, derjenige der sich sozusagen an der Quelle befindet, ist man oftmals versunken in Vorbereitungen zu einer neuen Ausstellung. Wehmütig werden – dafür bleibt meistens keine Zeit. Das ist nicht unbedingt schlecht. Trotzdem sind da diese Momente, an denen wir gerne auf Vergangenes zurückblicken. Zum Beispiel, wenn ein Museum seinen zehnten Geburtstag feiert. Zum Jubiläum veröffentlichte das Marta mit der Unterstützung der Marta Freunde und Förderer e.V. die etwas andere Festschrift „Museum Unplugged. Eine Selbstbefragung“, herausgegeben von Friedrich von Borries und Roland Nachtigäller.

Mithilfe von Leitfragen entstand eine anschauliche, amüsante, ernsthafte und auch selbstkritische Zusammenfassung über die Geschichte des Herforder Museums. Die Beiträge lieferten Freunde, Kritiker, Mitwirkende, Mitarbeiter, Besucher und Künstler, wie auch Andreas Gefeller. Der Fotograf gab die Ausstellungsgeschichte auf eine künstlerische Weise wieder und zwar anhand des Fußbodens in unseren Galerieräumen. Mit einer um den Bauch geschnallten Stativstange scannte er den Boden systematisch ab und gab Macken, Kratzer und Flecken eine Bedeutung. Die Idee war anhand dieser „Störungen“ der Bodenflächen die einzelnen Ausstellungen zu rekonstruieren. Dieses Vorhaben stellte sich als äußerst schwierig heraus, da die Vorstellungen doch weit auseinandergingen, was die Zuordnung der einzelnen Stellen betraf. Manche Spuren waren eindeutig zu identifizieren, wie z.B. die Wasserflecke, die von einem „Bassin“ stammen, der für die Ausstellung „Nullpunkt Nieuwe German Gestaltung“ 2009 in die lange Galerie gestellt wurde oder die Rückstände der Bauskulptur aus Styropor von Dai Goang Chen, die im Rahmen der Ausstellung „(un)möglich! Künstler als Architekten“ gezeigt wurde. Sowie die Überbleibsel von Einbauten für die verschiedenen Ausstellungen, die auch die gesamte Architektur jedes Mal ein wenig verfremden.

Ausstellungsansicht Nullpunkt Nieuwe German Gestaltung (2009): Jerszy Seymours Salon des Amateurs

Ausstellungsansicht Nullpunkt Nieuwe German Gestaltung (2009): Jerszy Seymour, Salon des Amateurs, 2009.

Spuren auf dem Boden des Marta Herford, die der Basin hinterlassen hat.

Aufnahmen der Spuren: Nele Rullkötter

Ausstellungsansicht (un)möglich! Künstler als Architekten“: Dai Goang Chens Dangsan Namu

Ausstellungsansicht (un)möglich! Künstler als Architekten“ (2015): Dai Goang Chen, Dangsan Namu, 2015.

Spuren auf dem Boden des Marta Herford, die die Skulptur Dangsan Namu hinterlassen hat.

Aufnahmen der Spuren: Nele Rullkötter

Andere Flecken und Kratzer sind weniger prominent, zumindest für uns. Aber vielleicht lassen sie den ein oder anderen Besucher oder Künstler doch in Erinnerungen schwelgen. Wer weiß …

Der Marta-Boden erzählt Geschichten. Also nicht beschämt auf den Boden schauen, sondern lieber auf Spurensuche gehen! Übrigens: Unsere aktuelle Ausstellung „Momente der Auflösung – Fotografische Werke von Andreas Gefeller, Fabian Marti und Taiyo Onorato & Nico Krebs“ zeigt eine Auswahl der Werke von Andreas Gefeller, die der Bedeutung des Bodens wirklich gerecht werden. Ob Andreas Gefeller dann eines Tages zurückkommt und seine eigenen Spuren ablichtet?

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