Gastbeitrag

Das Jahr 2015 war ein ganz besonderes für das Marta, darüber hat unser Direktor Roland Nachtigäller bereits geschrieben. Eine der wichtigen Neuerungen in diesem Jahr war unser Marta-Blog, den wir seit unserem zehnten Geburtstag am 7. Mai 2015 regelmäßig bespielen, mit dem wir uns vernetzen und unsere unterschiedlichen Sichtweisen, Eindrücke und Herangehensweisen in die Onlinewelt hineintragen. Zum Blogstart haben wir aber auch gleich den Raum geöffnet: Auf den Beitrag „Wir suchen deinen Marta-Text“, in dem wir zur Beteiligung aufriefen, erhielten wir einige Einsendungen von Menschen, die etwas über das Marta zu sagen hatten. Einen besonders gelungenen Text, den der Autor verblüffenderweise mit „Marta macht mich zum Verlierer“ überschrieben hat, veröffentlichen wir hier nun mit einem großen „Dankeschön“ und einem begeistertem „Weitermachen“.

„Ist das Kunst oder…“ kann ich nicht mehr hören. Auch alte Meister waren mal jung. Was heute leicht konsumierbar wirkt, weil es als Druck auch bei IKEA in den Regalen steht, sich das Auge daran gewöhnen konnte, war mal revolutionär und zum Teil mit dem Stempel „entartet“ gebrandmarkt. Achtung Gefahr – Revolution! Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Er akzeptiert, was er kennt. Verwirrung strengt dagegen an. Verunsicherung bringt uns aus dem Takt und das Bild in Schieflage, so dass nun gar nichts mehr erkennbar ist. Aber der Ton macht die Musik undnicht der Takt. Eine Arbeit wirken lassen? Keine Zeit. Wer ist der Künstler? Wer keinen Namen hat, unter meinem Radar fliegt, ist entweder zu Recht unbekannt oder ein Tarnkappenbomber, den es auszuschalten gilt. Der Museumsbesucher als Flakhelfer.

Nun aber, gibt es auch jene welche, die sich durchaus gerne den Kopf verdrehen lassen, ohne dass sie ein Wendehals sind. Um die Kinderaugen sind die Jahresringe vielleicht schon deutlich erkennbar. Jugendlicher Entdeckergeist herrscht oft genug unter schlohweißem Haar. Die Sinne mögen Unterstützung brauchen, aber was sagt das schon? Nichts. Und anders herum? Der junge Mensch ist kein ernstzunehmender Gesprächspartner, wenn es um Eindrücke geht? Ist der Kontext, die Weisheit des Alters wichtig, wenn doch die Kunst oft genug den nicht ausgetrampelten Weg bevorzugt? Zulassen und die Schubladen zu lassen. Empfehlung des Tages: sich einlassen. Nicht mit jedem bitte sehr. Oder doch? Warum nicht? Ein Lebenskünstler schafft es wohl kaum ins Museum. Ihn aufzuhängen ist gar verboten. Aber Kunst leben ist für jeden möglich. Selber den feinen Pinselstrich mit grobem Quast erproben und dann NICHT ausstellen wollen, sondern Respekt lernen.

Im Museum und auf der Straße leben sich Menschen durch Kunst aus. Sie kommunizieren mit Dir und freuen sich über eine Antwort. Kunst will etwas mitteilen und nicht die Wände dekorieren. Vielleicht verstehst Du sie nicht. Sprichst Du Sandawe? Immerhin 40.000 Menschen in Tansania sprechen diese Sprache. Und glaubst Du, dass diese Menschen nichts zu sagen haben, nur weil Du sie nicht verstehst? Komm von Deinem hohen Ross herunter. Von diesem trojanischen Pferd, dass Dich zur Ausstellungseröffnung durchs Museum trägt. Mit dem Blick in den Raum wirst Du von der Kunst hinterrücks erdolcht. Kein schlechter Tod, aber begegne doch der „Ist das Kunst oder…“-Kunst mit offenem Visier. Warum die Angst? Natürlich – wer keine Auseinandersetzung scheut, riskiert seinen Standpunkt zu verlieren und also Perspektiven zu gewinnen. Du lucky Loser.

denkraumgewonnen01Oliver Großpietsch studierte Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit an der FH Gelsenkirchen. Über Stationen im Marketingbereich und bei einem Bildungsträger in der Erwachsenenbildung gelangte er zu seiner aktuellen Position im Personalwesen eines Bauunternehmers.

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