Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Eröffnung von Marta Herford überraschten wir unser Publikum mit einem veränderten, weiter entwickelten Erscheinungsbild (Näheres dazu berichtete Sarah Niesel in ihrem Beitrag). Und nun warten wir auch noch mit einem ganz neuen Publikationskonzept auf: Ein Büchlein in mehreren Teilen, das in alle Taschen passt und dennoch atmosphärische Bilder aus der Ausstellung mit weiteren Funktionen verbindet.

Angesichts eines sich rasant wandelnden Buchmarkts und veränderter Lesergewohnheiten, fragen wir uns schon seit längerem, wie wir darauf, im Hinblick auf unsere Katalogproduktionen, reagieren können. Wie sollte eine Publikation aussehen, die unsere Ausstellungen so begleitet, dass sie den Wünschen der Besucher entgegenkommt? Was genau sind überhaupt ihre Wünsche, und erwarten sie überhaupt das Gleiche? Wie viele Informationen sollten wir zur Verfügung stellen und in welcher Form?

So entstand die Idee, das klassische Katalogkonzept aufzuschlüsseln, es auf seine unterschiedlichen Funktionen hin zu betrachten und daraus einzelne Module abzuleiten. Das Buch sollte nicht so sehr als geschlossenes Objekt, sondern vielmehr als flexibles Hilfsmittel fungieren: Für das Sehen, das Denken, das Einordnen und das Erinnern.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Harmonie und Umbruch“ lag nun also ein erster Band vor – der „Guide“ (kleiner Exkurs: Marta Herford kommuniziert grundsätzlich zweisprachig. Doch ein zweisprachiger Kurztitel? Das erschien uns doch ein wenig zu kompliziert. Und so machten wir uns auf die Suche nach kurzen Begriffen, die in beiden Sprachen funktionieren und somit nur einmal auf dem Buch erscheinen müssen). Neben kurzen informativen Texten zu den ausgestellten Werken enthält der Guide ausgewählte Zitate der Künstler, die ihre faszinierenden Ideen greifbar machen. Ob in der Ausstellung oder später zu Hause, Besucher mit Internetzugang können außerdem ganz leicht mittels eingedruckter QR-Codes weitere Informationen oder Künstler-Interviews im Netz auffinden. So lässt sich beispielsweise eine Kurzversion des beeindruckenden Videos von Isaac Julian über den Link im Guide auch zuhause noch einmal anschauen:

Ergänzt wurde der Guide kurz nach seinem Erscheinen dann durch zwei weitere Bände: „Show“ und „Index“. Sie enthalten einen vollständig bebilderten Rundgang durch die Ausstellung und die komplette Liste aller zu sehenden Werke mit den entsprechenden Detailangaben.

Mit dieser Publikationspraxis betritt Marta Herford wieder einmal neue Wege. Anders als bei herkömmlichen Katalogen verzahnt diese mehrteilige Publikation Ausstellung und Vermittlung, soziale Netzwerke und Printprodukt ausdrücklich miteinander. Auch mediale Grenzen sollen in Zukunft immer mehr überwunden werden. So wird es für zukünftige Projekte auch ab und zu mal den Band „Essay“ geben, der mit Blick auf den ausstellungsbegleitenden Diskurs weiterführende Fachtexte enthält. Neben unserer bereits in der Praxis erprobten Web-App können sich dann gelegentlich auch einzelne Teile der Publikation weiter digital als PDF oder im E-Book-Format verbreiten. Den neuen Ideen sind hier noch lange keine Grenzen gesetzt.

Im Mittelpunkt stehen für uns vor allem ein lebendiger Kommunikationsprozess und die Einbindung unserer Arbeit in die unterschiedlichen medialen Zusammenhänge. Auch dieser Blog ist bereits Teil des diskursiven Konzepts. In Zukunft wird auch er sich auf bemerkenswerte Weise mit der Printwelt verzahnen. Denn so gerne wir die digitalen Möglichkeiten nutzen und deren Potenziale erkunden: Wir lieben doch auch das Buch als Objekt, die Haptik und Schönheit bedruckter Seiten. Sie wird uns auf diesen neuen Pfaden ganz gewiss erhalten bleiben…

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