Bücherregal im Büro von Christoph Laue im Herforder Kommunalarchiv.

Im Januar 2016 wurde beim Neujahrsempfang des Marta feierlich bekanntgegeben, dass Simon Wachsmuth den Marta-Preis der Wemhöner Stiftung gewonnen hat. Die Jury habe sich für Wachsmuth entschieden, da seine künstlerischen Untersuchungen von individuellen und kollektiven Erinnerungsmechanismen und ihrer Materialisierung einen neuen Blick auf die Geschichte und ihrer Darstellungen in der Gegenwart herstellen. Im Laufe diesen Jahres, so lautet der mit dem Preis verbundene Arbeitsauftrag, wird Wachsmuth ein Kunstwerk entwickeln, welches in unsere Sammlung übergeht und eine Verbindung zum Ort, seiner Architektur, der Stadt, der Region oder ihrer Geschichte aufweisen kann. Ein Auftrag, der dem Künstler gut gefällt, denn viele seiner Werke beruhen auf einer intensiven Recherche vor Ort und der Einbindung von lokalen Archiven. Aber wo fängt man mit der Recherche eigentlich am besten an?

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Der Preisträger Simon Wachsmuth

Wir schlugen ihm vor, sich mit unserem Stadtarchivar Christoph Laue, Leiter des Herforder Kommunalarchivs, zu treffen, der das Amt seit Anfang der 80er Jahre innehat und zahlreiche erhaltene, offizielle Dokumente zur Stadtgeschichte sichtet, zuordnet, kategorisiert und schließlich archiviert. Die Zustimmung von Herrn Laue kam sofort und er lud uns zu sich in die Amtshausstraße 2 ein. Simon Wachsmuth reiste für 2 Tage aus Berlin an. Schon das Büro von Herrn Laue erwies sich als wahre Fundgrube für Material zum Entdecken. Prall gefüllte Bücherregale mit historischen Schriften und Jahrbüchern, ergänzt durch etliche Kisten und Sammelmappen mit offiziellen und auch privaten Materialien und Dokumenten, die dem Archiv regelmäßig aus Haushalten und Nachlässen vermacht werden. Ausgewählte Objekte zeigte uns Herr Laue auch aus der Nähe.

Simon Wachsmuth (links im Bild) und Christoph Laue im Gespräch

Sehr beeindruckt folgten wir auch dem beachtlichen Kurzvortrag über die Herforder Stadtgeschichte vom Mittelalter bis heute, eine doch sehr umfangreiche Zeitspanne. Besonderes Interesse fiel dabei auf Herford und seinen Status als Reichsstadt, ein Status, welcher der Stadt im Mittelalter besondere Privilegien und Rechte bescherte. Doch als das durch den Westfälischen Frieden gestärkte Brandenburg-Preußen mit ihrem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg Mitte des 17. Jahrhunderts die Stadt Herford eroberte und sie der Grafschaft Ravensberg angliederte, verlor Herford den sehr begehrten Titel. Es folgten lange Kämpfe und ausdauernde Verhandlungen mit dem brandenburgischen Kurfürsten, besonders vorangetrieben durch den Herforder Kaufmann und Diplomaten Anton Fürstenau, die allerdings erfolglos blieben. Simon Wachsmuth schien alle Informationen in sich aufzusaugen, ohne jedoch genauer zu verraten, welche Bereiche ihn besonders interessierten. Er nahm das Angebot dankend an, sich weiter mit Christoph Laue austauschen zu dürfen und für einige Zeit im Archiv vor Ort zu arbeiten.

Ein weiteres Treffen hatten wir mit Herr Dr. Thorsten Heese vom Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück vereinbart. Auch er lud uns sehr herzlich und spontan nach Osnabrück ein. Wir trafen uns in der neoklassizistischen Villa Schlikker, heute das „Haus der Erinnerungen“, das Gegenstände der Alltagskultur des 20. Jahrhunderts beherbergt, die als Träger von Geschichte in neuen Zusammenhängen präsentiert werden.

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Die Villa Schlikker in Osnabrück

Ein geschichtsträchtiger Ort: 1900 als Wohnhaus von Edo Floris Schlikker, Sohn eines bedeutenden Textilfabrikanten, erbaut, wurde es im Zweiten Weltkrieg die Verwaltungszentrale der Nationalsozialistischen Partei in Osnabrück. Nach dem Krieg übernahm die britische Besatzung das Gebäude. Erst seit 1959 ist die Villa wieder im Besitz der Stadt und beherbergte nach 1988 Teile des kulturgeschichtlichen Museums. Dr. Heese empfing uns im Salon mit herrlichem Blick auf den Garten. Als gebürtiger Herforder, Historiker und Kurator beschäftigt er sich u.a. intensiv mit der Westfälischen Geschichte. Einen Schwerpunkt unseres Treffens bildete das Thema des Westfälischen Friedens. Dieser wurde 1648 nach dem 30-jährigen Krieg von der Rathaustreppe in Osnabrück verkündet. Wir rundeten unser Treffen durch einen Besuch im beeindruckenden Felix-Nussbaum-Haus, in direkter Nachbarschaft der Villa Schlikker, ab. Auch Dr. Heese vereinbarte mit Simon Wachsmuth, in Kontakt zu bleiben und ihm bei der Recherche für die neue Arbeit der Sammlung Marta zur Seite zu stehen. Mit vielen spannenden Eindrücken im Gepäck reisten wir zurück nach Herford. Wir sind sehr gespannt, welche Ideen Simon Wachsmuth für das Werk entwickelt und wie es nun weitergeht. Eines ist sicher: Es werden weitere, auch längere Rechercheaufenthalte in Herford und Umgebung folgen, bei denen ich gerne wieder dabei bin.

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