Gestern war Montag. Der Tag, an dem ein Museum in der Regel seine Türen verschlossen hat. Dies betrifft nicht die Verwaltung. Dort herrscht der normale Montagsbetrieb, was sich normalerweise durch klingelnde Telefone und volle E-Mail-Postfächer bemerkbar macht. Eigentlich. Marta denkt anders. Seit letztem Jahr ist es montags in den Räumen der Marta-Verwaltung still. Der „stille Montag“ wurde eingeführt. Das bedeutet: Anrufer werden durch die individuelle Ansprache des jeweiligen Mitarbeiters auf den Dienstag vertröstet, interne E-Mails sind untersagt und das persönliche Gespräch mit den Kollegen wird auf die Mittagspause verschoben. Marta schweigt, zumindest verbal. Bereits 2007 hat Marta mal geschwiegen, damals in Form einer Ausstellung.

Seit April gehöre ich zum Marta-Team und mein erster Arbeitstag fiel auf einen solchen Montag. Zunächst löste dies Irritationen aus. Nachdem ich allerdings über die „Spielregeln“ dieses Tages aufgeklärt war, wich die anfängliche Skepsis und Enthusiasmus stellte sich ein. Die Aufstellung dieser Regeln war Teil eines AG-gestützten Arbeitsprozesses. Die AG „Anders Denken“ initiierte z.B. auch einen computerfreien Tag. Bereits während meines Studiums war die Bibliothek oftmals der letzte Ausweg, um konzentriert arbeiten zu können. Keine Ablenkung, keine Geräusche und plötzlich fiel alles viel leichter. In meinen ersten Berufserfahrungen war ich zunächst immer damit beschäftigt, mich an die allgemeinen Bürogeräusche zu gewöhnen und gleichzeitig meiner Arbeit nachzukommen. Natürlich ist das auch eine Frage der Gewöhnung. Woran allerdings kein Zweifel besteht, ist die Tatsache, dass in der Verwaltung eines Museums unterschiedliche Berufsbilder mit verschiedenen Arbeitsweisen existieren. Kreativität versus Bürokratie versus Kommunikationszwang. Der Konflikt scheint vorprogrammiert zu sein. Der „stille Montag“ kann zumindest ein Weg sein, einem Ungleichgewicht vorzubeugen.

Unten in den Ausstellungsräumen haben die Besucher oftmals die Gelegenheit, einen stillen Dialog mit den Werken einzugehen. Es sei denn, die vorherrschende Ruhe in einem Museum wird durch bewusst inszenierte Geräusche, wie beispielsweise Videoinstallationen oder Ausstellungseröffnungen durchbrochen. Der „stille Montag“ transportiert diese Stimmung ein wenig in den administrativen Teil des Gebäudes. Das ist gut für die Textarbeit. Aber ist es schlecht für den Ruf nach draußen? Die Antwort: Beides zu haben ist optimal. Der „stille Montag“ lässt uns Zeit, uns selbst zu strukturieren, neue Projekte zu planen, zu recherchieren, Texte zu schreiben und Vergangenes aufzuarbeiten. Der Rest der Woche gehört dann wieder uneingeschränkt dem Telefon, dem E-Mailfach, den Kollegen, den Ausstellungsmachern, den Künstlern, Sammlern, Journalisten, Verwaltern, Prüfern und Besuchern … Meine Erfahrungswerte beschränken sich zwar nur auf vier solcher Montage. Sie haben mich aber schon jetzt in meinem Arbeitsalltag geprägt. Bevor ich mal wieder für etwas vermeintlich Belangloses eine Mail schreibe oder persönlich nachfrage, gehe ich kurz in mich und hinterfrage die Notwendigkeit. In den meisten Fällen kann ich mir die Fragen selbst beantworten und habe möglicherweise damit einen Kollegen in seinem ruhigen Arbeitsfluss schwimmen lassen und ihn nicht herausgerissen.

Als ich die Publikation zu der Ausstellung „Marta schweigt“ in diesen Tagen noch einmal in die Hand nahm, stieß ich auf den Katalogbeitrag unseres Kurators Michael Kröger. Der Titel lautet: „Das Schweigen in der Gesellschaft wird unterbewertet. Wie Kommunikation heute auch funktioniert“ – wie passend.

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