Mark Dions für die Ausstellung neu entwickletes Werk

Es gibt nichts Schöneres als ein Open-Air-Kunst-Festival im Sommer! Doch zur Eröffnung der Ausstellung im holländischen Drenthe war Regen angekündigt. Dennoch machten Roland Nachtigäller und ich am Freitag, dem 1. Juli kurz entschlossen auf den Weg. Denn die zweite Station unserer Mark Dion-Ausstellung Widerspenstige Wildnis durften wir einfach nicht verpassen.
„Into the Nature“ heißt der Titel des Kunst-Festivals, das in diesem Sommer zu einer Kunstreise an 17 Standorten in der Region Drenthe einlädt. Mark Dion sollte ein Highlight des Projekts darstellen und tatsächlich fügen sich seine Werke, wie wir feststellen können, aufs Beste in die historische Struktur des Museums ein. 1854 gegründet ist das Drenther Museum über verschiedene Gebäudetrakte verteilt und widmet sich wie ein Universalmuseum verschiedenen Themen: So treffen hier Naturkunde, Archäologie, Kulturgeschichte und Gegenwart aufeinander – eine perfekte Vorlage für einen Künstler wie Mark Dion.

Das Museum in Drenthe

Das Museum in Drenthe

Besonders beeindruckend ist die Präsentation in dem Bau der historischen Klosterkapelle aus dem 13. Jahrhundert, in dem sich der 6 Meter hohe Vogelkäfig seiner Arbeit „The Library for the Birds“ (1989/2015) wunderbar einfügt.

Die Installation The Library for the Birds von Mark Dion

Aber auch die Skulpturen des Künstler-Forschers mischen sich in die Ausstellungen des spartenübergreifenden Museums auf ganz besondere Weise ein.

Mark Dions Kostüme des Künstler-Forschers

Direkt neben einem Geweih aus der museumseigenen Sammlung entdeckt man die Arbeit „The Costume Bureau“ (2006), die die Bekleidung unterschiedlicher Berufsgruppen zeigt – Botaniker, Arzt, Grabungstechniker und Insektenkundler. Mark Dion, der immer wieder in unterschiedliche Rollen schlüpft, reiste unter anderem als zeitgenössischer Naturforscher in den tropischen Regenwald oder untersuchte während der Venedig-Biennale den Schlamm aus dem Canale Grande auf seine Bestandteile. So fühlt sich der Künstler auch im Drenther Museum wie zu Hause.

Der Künstler Mark Dion vor seinen Werken

Mark Dion mit einem zufriedenen Lächeln in seinem „Salon“ mit der vom Künstler entworfenen Tapete „The Trouble With Jellyfish“ (2015).

Ein zweiter Teil der Ausstellung ist im De Nieuwe Kolk in Assen präsentiert, einem neuen Baukomplex, der Theater, Bibliothek und einen Ausstellungsraum unter einem Dach vereint.
Der Hochsitz mit ausgewählter Fachlektüre eines Naturliebhabers ist passend vor den Bücherreihen der Bibliothek platziert. Gerne würde ich auch hier die Leiter erklimmen, um in den Büchern zu schmökern und sich der Natur über die Literatur anzunähern – frei nach Mark Dions Motto: „Meine Werke sind nicht über Natur, sondern über die Idee von Natur.“

Mark Dions Installation Hunting Blind - The Librarian in der Bibliothek

Mark Dion: Hunting Blind – The Librarian (2008).

Die museale Präsentation der Werke Mark Dions

Musealer werden die Werke präsentiert, die sich mit der Jagd beschäftigten. Sehr schön ergänzt hier das Werk „On the Topic of Hunting“ (2015) die Ausstellung, das die Jagd mit dem gebogenen Gewehrlauf humorvoll aufs Korn nimmt.
Mark Dion und der Künstlerische Direktor von Marta Herford vor der Edition des Künstlers

Ich staune, dass es dem beschäftigten Künstler Mark Dion gelungen ist, für diese Ausstellung auch noch eine ganz neue Arbeit zu entwickeln. In einer Hütte mitten im Wald können die Besucher eine Installation mit phosphoreszierenden Vögeln erkunden. Eine beinah magische Begegnung.

Ein für Into Nature neu entstandenes Werk Mark Dions: Eine Installation mit phosphorisierenden Vögeln

Auch die anderen Werke führen die Besucher ins Grüne – hinaus in die Natur. So lernen wir Christoph Katzler von der Künstlergruppe Numen persönlich kennen, der sich noch im Aufbau der begehbaren Installation aus transparentem Klebeband befindet. Mit ihren organischen Formen wäre diese Arbeit sicher auch einmal eine interessante Struktur für das Marta Herford!

Die Installation der Künstlergruppe Numen im Grünen

Die Wege führen uns aber auch über Stock und Stein in eine verwunschene Parkanlage, wo wir verschiedene Installationen des niederländischen Künstlers Krijn de Koning aufsuchen, die sich darin verbergen…

Teile des Kunstfestivals Into Nature sind wortwörtluich mitten im Grünen

Und über einige Pfützen…

Die Pfützen, die ein Kunstfestival, das teilweise im Freien stattfindet mit sich bringt

Eine weitere Station des Festivals ist das Museum De Buitenplaats in Eelde – ein Ort, an dem Kunst und Gartengestaltung mit Musik, Theater, Literatur in einer ungewöhnlichen Architektur zusammenkommen.

Das Kunstmuseum in Groningen mit seiner außergewöhnlichen Architektur

Die Ausstellungeröffnung fand schließlich am Abend an der Luftfahrtschule in Eelde statt. Das Gebäude wurde in den 1950er Jahren von dem Architekten P.J.J.M. Cuypers jr in Zusammenarbeit mit F.P. Glastra van Loon und dem Künstler Bart van der Leck gebaut. Hier feiern wir gemeinsam mit dem Künstler und den niederländischen Kollegen.

Die Luftfahrtschule in Eelde

Am nächsten Tag fahren wir zuerst in das spektakuläre Kunstmuseum in Groningen, das von dem Designer Alessandro Mendini in Zusammenarbeit mit den Architekten Michele de Lucchi, Philippe Starck und Coop Himmelb(l)au gebaut wurde. Ein wirkliches Unikat aus den frühen 1990er Jahren! Wie gut passt daher die Ausstellung dorthin, die sich der Malerei der „Neuen Wilden“ aus den 80er-Jahren widmet.

Auf dem Rückweg nach Herford durften wir die Eröffnung im Duisburger Lehmbruck-Museum nicht verpassen: Die Ausstellung „An der Oberfläche“ zeigt gleich zwei Künstlerinnen, die wir sehr gut kennen, denn sowohl Nezaket Ekici als auch Heike Weber wurden bereits im Marta Herford umfassender ausgestellt. Nezakets Performance „Pondus“ zeigt die hingebungsvolle Bearbeitung des Materials durch die Künstlerin, bei der sie einen Tonkubus von der Größe der Künstlerin in enormem Kraftaufwand in eine figurativ anmutende Gestalt bringt. Die Energie springt auch auf uns über und wir können uns kaum von der Gruppe losreißen, um uns auf den Rückweg in die ostwestfälische Heimat zu begeben.

Performancekünstlerin Nezaket Ekici während ihrer Performance

Foto: Susanne Sistig

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