Illustration des Problem Lösung Kreislaufs

Abbildung: Pixabay

In der Gegenwart wachsen nicht nur die technischen und gestalterischen Möglichkeiten, sondern auch die Zwänge, das soeben Erreichte noch einmal zu optimieren, neuen Sinn zu generieren und damit kreativer als bisher mit den eigenen Fähigkeiten umzugehen. In diesem Kontext entstehen folgende Überlegungen.

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Wenn Sie sich jetzt zutrauen, einmal im Leben aus einem Ihnen sehr vertrauten Schema F auszubrechen, haben Sie möglicherweise schon etwas hinzugewonnen. Versuchen Sie doch demnächst einfach einmal etwas zu unternehmen, was Sie nicht können – die Betonung liegt dabei auf nicht. Was man nicht kann, glaubt man bekanntlich immer schon zu wissen – obwohl man ja so vieles lernen kann.

Man könnte jetzt aber sagen: Ich probiere einfach mal aus, mich überraschen zu lassen, was mir gerade durch den Kopf schießt in der Hoffnung, dass man Neues über sich selbst erfährt während man es aufschreibt. Einmal farbig zu denken und etwas zu planen, was man sonst immer nur grau und funktional gesehen hat – das wird in Zukunft immer wichtiger werden. Im Netz las ich kürzlich „Le Problem c´est moi“ – (übersetzt: Ich bin mein Problem). Wer aber bin ich, wenn ich plötzlich zu meinem Problem werde? Und umgekehrt: Wie kann ich auch meine eigene Lösung sein?

So ähnlich erging es mir, als ich vor einem Jahr ziemlich spontan auf die Idee kam eine Ausstellung über eine Farbe zu planen – und dann auch noch über eine so eigenartig widersprüchliche Farbe wie das Grün. Wenn einem etwas nicht ganz grün vorkommt, dann kann das bedeuten, dass man etwas nicht wirklich mag, etwas nicht so genau kennt oder sich lieber auf das bezieht, was man zu wissen glaubt. Was aber bedeutet es, wenn einem eine Sache plötzlich grün vorkommt? Die Antwort auf diese Frage werden Sie, wie ich hoffe, selbst beantworten können, wenn Sie die Ausstellung „Grün stört“ besuchen.

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Erlauben Sie mir zunächst noch einige eigene Gedanken zum Thema Veränderung. Wir leben ja heute in einem dauernden Veränderungsmodus. Es reicht aber – finde ich zumindest – nicht mehr aus, wenn man andere dazu motiviert oder anhält, sich zu verändern. Ich verändere andere Menschen, zum Beispiel meine KollegInnen, erst dann, wenn ich mich gleichzeitig und sichtbar selbst verändere; mich, wenn man so will, auf meine eigene Reise mitnehmen.

Was heißt heute verändern? Verändern ist nicht etwa ein Modus, den man an und abstellen kann. Verändern heißt heute: Etwas soll Sinn machen oder Relevanz erzeugen. Was relevant ist, wissen wir meistens ziemlich genau – häufig sind es bestimmte Zahlen oder Fakten. Relevant ist aber vor allem auch das, was mir persönlich noch wichtig ist und was ich morgen nicht schon wieder vergessen haben werde. Also etwas, was heute Sinn ergibt. Aber was ergibt heute Sinn, wenn wir uns permanent verändern müssen?

Sie merken jetzt gerade, dass ich Ihnen Fragen stelle, auf die das Antworten nicht wirklich leicht fällt. Aber andererseits möchten ja Fragen auch nicht nur schnell beantwortet werden. Gerade im Kunstkontext gibt es Fragen, die man sich stellen muss, ohne dass sie jemals vollständig beantwortet werden können.

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Ich beschränke mich daher also gerne auf den Zusammenhang von Veränderungen im Kunstkontext. Joseph Beuys hat einmal sinngemäß gesagt: Jeder trägt seinen eigenen Palast im Kopf. Will sagen: Was ich selbst von mir erwarte, das kann ich immer noch selbst entdecken. Und das Schöne ist: Ich habe Ideen im Kopf, von denen ich noch gar nicht weiß, wie ich sie formulieren kann. Was ich aber weiß ist, dass ich mir selbst vertraue, wenn ich mich verändere. Oder um das Ganze auf eine kurze Formel zu bringen: Wer von Veränderung spricht, darf von Vertrauen nicht schweigen. Wer etwas oder sogar sich selber verändern will, der muss sich zuerst selbst zuhören können, sich zutrauen, dass er sich selbst vertraut oder sich selbst zu vertrauen beginnt. Und er sollte möglichst auch bereit sein zu erkennen, was er selbst leisten kann und was sich nur im Dialog mit anderen realisieren lässt.

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