Abbildung von dem Werk "Delfin" von Johannes Wohnseifer in der Marta-Ausstellung "Grün stört"

Johannes Wohnseifer: „Delfin“

„Delfin“ und „Maske“ heißen die Werke von Johannes Wohnseifer, die in unserer aktuellen Ausstellung „Grün stört“ zu sehen sind. Auch wenn die Titel der Arbeiten es nicht verraten, fügen sie sich hervorragend in die Ausstellungsthematik „Im Fokus einer Farbe“ ein. Marta-Ausstellungsmacher Michael Kröger konnte dem Kölner Künstler 5 Fragen stellen.

„Grün stört“ – was hat Sie an diesem Ausstellungstitel gereizt?

Ehrlich gesagt kann ich mit dem Titel persönlich nicht so sehr viel verbinden, da ich Grün sehr mag. Mich stört Grün in keinster Weise. Genauso wenig wie jede andere Farbe.

In Ihrem Werk spielt die Farbe Grün seit Jahren eine bemerkenswerte Rolle. Wie würden Sie deren Bedeutung im Kontext Ihres bisherigen Werkes beschreiben?

Grün spielt tatsächlich eine Sonderrolle. Im Gegensatz zu anderen, selbstverständlich verwendeten Farben, tauchte Grün in meinen Arbeiten auch als Begriff im Titel auf – wie z.B. bei „In Front Of The Green Door“. Grün war auch bestimmend für den Charakter einiger anderer Arbeiten. In diesem Zusammenhang etwa in der Arbeit „The Endless Bridge“ bei der das Kölner Brückengrün, also das den Kölner Rheinbrücken vorbehaltene weissliche Grün, eine zentrale Rolle spielt. Bei seriellen Arbeiten oder Auflagenobjekten, die ich in Farbvarianten produziere, ist das grüne Exemplar meistens schwerer zu verkaufen, so dass ich dazu neige dieses Exemplar zu behalten oder gleich als Belegexemplar zu deklarieren.

Was bedeutet Ihnen die Auswahl/ Arbeit mit bestimmten Farben?

Dieser Auswahl versuche ich eine möglichst geringe Bedeutung zuzumessen. Ich möchte mich nicht auf eine bestimmte Farbe reduzieren. Ich arbeite oft mit standardisierten RAL-Farben und wähle
diese intuitiv am Farbfächer aus. Ich mag einige Farben besonders, habe aber keine Lieblingsfarben. Im Gegenteil: Ich mag alle Farben. Es gibt für mich keine falschen oder hässlichen Farben. Das ist immer extrem kontextabhängig und funktioniert manchmal besonders gut, wenn man gegen den Kontext arbeitet.

Wenn Sie eine ganz neue Farbe erfinden könnten, wie müsste diese für Sie aussehen?

Wahrscheinlich ist es physikalisch unmöglich oder vielleicht können wir es noch nicht denken eine neue Farbe zu erfinden. Ich würde es trotzdem nicht ausschließen wollen. Die Wahrnehmung und auch die Farbwahrnehmung sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt, wie z.B. das virale Phänomen des Kleides im letzten Jahr gezeigt hat. Für die einen war das Kleid schwarz und blau, die anderen haben es als weiß und gold angesehen. Seit längerem arbeite ich daran, eine grau floureszierende Farbe (Neongrau) zu entwickeln und zu verwenden. Mit den Ergebnissen war ich bisher noch nicht zufrieden. Eine andere Idee ist es, eine Mischfarbe aus den 213 Farbtönen des RAL-Classic-Farbkatalogs herzustellen.

Ein Ziel der Ausstellung „Grün stört“ bestand in der Auseinandersetzung mit deren Ambivalenz. Wie stehen Sie zu dieser These?

In der Natur kommt Grün sehr häufig vor und ist dementsprechend dominant. Durch den Drang des Menschen die Natur zu zähmen, gibt es eine Neigung zur Grünvermeidung bis hin zum Grünbelag-Entferner und Unkrautvernichter. Diese Ambivalenz scheint also vorhanden zu sein und stärker ausgeprägt als bei anderen Farben, was ich aber nicht belegen kann. Auch die Farbakzeptanz ist abhängig von der jeweiligen Zeit und zudem Moden unterworfen. Ein Indikator hierfür mag die Farbwahl bei Autos sein. Hier scheint Grün besonders unbeliebt, was es damit fast zur nächsten Trendfarbe erklärt.

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