Foto von Mark Dion in seiner Ausstellung "Widerspenstige Wildnis"

In einer umfassenden Einzelausstellung zeigt Marta Herford die Werke des Amerikaners Mark Dion. Im Zentrum der Arbeit des mehrfachen documenta-Künstlers steht die Frage nach unserer Idee von Natur. Das Arrangement seiner Installationen erinnert dabei teilweise an die Tradition der Wunderkammern. Sarah Niesel, Leiterin unserer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, durfte ihm beim Mittagessen 5 Fragen stellen.

Welches war das erste Museum, das Du jemals besucht hast?

Oh, das ist eine interessante Frage. Es war im Rahmen eines Schulausfluges, meine Eltern waren wirklich „working class“, nicht die Art Leute, die Museen besucht.
Mein erster Museumsbesuch fand also in meiner Heimatstadt, im New Bedford Whaling Museum statt. Das Museum beschäftigt sich mit der Geschichte des Yankee Walfangs, der im 19. Jahrhundert sehr weit verbreitet war. Hier wurde übrigens auch Moby Dick geschrieben. Es ist ein Museum, das Naturkunde, Kulturgeschichte, Kunst sowie Kunsthandwerk vereint. Diese Idee, dass all diese Kategorien Teil eines ganzen, eines Museums sind, erschien mir immer logisch. Ich fand schon immer, dass diese Bereiche sehr gut zueinander passen.

Wann hast Du angefangen zu sammeln?

Ich denke, ich habe mein ganzes Leben gesammelt. Ich gehe davon aus, dass es einen kindlichen Impuls gibt, der dazu führt zu sammeln und zu ordnen. Manche Menschen haben ihn und verlieren ihn, andere haben ihn und verlieren ihn niemals. Ich glaube, ich habe ihn nie verloren. Kunst zu machen ist für mich eine Möglichkeit meine Sammelleidenschaft auszuleben, ohne zu viele Dinge zu haben.

Warum sammelst Du tote Tiere?

Ich reise zu viel, um lebendige Tiere zu sammeln.

Wie denkst Du persönlich über die Jagd?

Die Jagd ist ein sehr kompliziertes Thema. Ich denke, dass Jagdtraditionen und ihr Rückgang viel über die jeweiligen Orte und darüber, wie die Gesellschaft mit der Idee der Wildheit umgeht, aussagen. Vieles lässt sich über die Jagd decodieren. In Großbritannien beispielsweise, wo es eine starke Klassenhierarchie gibt, wird die Jagd wirklich als Symbol der Abgrenzung gegenüber anderen Klassen genutzt. Es geht alles um Eigentum, Besitz, Privilegien und Zugang. In anderen Gesellschaften ist das Jagen etwas, das schwer arbeitende Menschen tun, um Nahrungsmittel zu erhalten, gut gebildete würden das hier nicht tun. Sich intensiv mit Jagdtraditionen zu beschäftigen, ist ein wirklich interessanter Weg die Unterschiede von Gesellschaften ausfindig zu machen.

Was ist Deine Intention alte Möbel, Bücher und andere alte Dinge sowie tote und lebendige Tiere auszustellen?

Ich folge einer Art Weg. Ich schaue ein wenig zurück auf soziale Kategorien und darauf wie die Natur konstruiert ist. Ein großer Teil dieser Konstruktion fand schon vor langer Zeit statt. Wir sind immer noch sehr verbunden mit Ideen vergangener Zeiten, die eigentlich nicht unserer Gegenwart entsprechen. Deshalb schaue ich, wo diese Ideen und Einstellungen ihren Ursprung haben. Es ist nicht nostalgisch, sondern wirklich historisch. Wenn ich diese Dinge ausstelle, möchte ich keine Nostalgie hervorrufen.

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