Suse Wiegand: get up and change places, 2016, Installation, 20+1 Sortimente für ein Körpergedächtnis, Marmor bis Zucker, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Suse Wiegand, Künstlerin und Professorin am Fachbereich Gestaltung der FH Bielefeld, stellt gemeinsam mit acht weiteren KünstlerInnen in unserer Ausstellung „OWL4 – Gegenspieler“ aus. Ihre Installation „Please get up and change places“ ist bereits aufgebaut und der Betrachter somit aufgefordert neue Perspektiven einzunehmen. Bevor die Ausstellung am kommenden Sonntag, dem 4.9.16, um 11.30 Uhr eröffnet wird, durfte ich ihr noch fünf Fragen stellen.

In Deinen Werken schaffst Du sogenannte „Dingzusammenhänge“, indem Du jeweils zwei Gegenstände miteinander kombinierst. Wie findest Du die Dinge und nach welchen Kriterien führst Du sie zusammen? Gibt es überhaupt Kriterien dafür?

Ich kenne die Dinge wie meine Westentasche, da ich mit ihnen seit langem lebe.
Es kann passieren, dass ich nachts wach liege und zwei Teile unvermutet im Halbschlaf zusammenkommen. Am nächsten Tag zeichne ich es auf und teste die Kombination im Atelier. Oder ich sehe zufällig Sachen parat nebeneinander liegen. Manchmal probiere ich Jahre etwas mit gleichem Material aus. Nicht selten taucht ein neues Element an einem weit entfernten Ort auf, das ich plötzlich mitnehme und sich zu einem mir sehr alten bekannten Teil gesellt. Es ist unter anderem die sinnliche Beschaffenheit der Materialien, das Volumen der Dinge, ihre Kleinheit und Psychologie sowie das Gedächtnis, das mich zum Handeln bewegt.

Inwieweit verändern sich die Dinge, wenn Du sie in Deine Zusammenhänge bringst?

Wenn ich Dinge aufhebe und in neue Zusammenhänge stelle, verändert sich das Ding selbstverständlich. Es ist, als ob die Dinge sich gegenseitig beschatten, eine neue Farbe bekommen. Die bekannten Funktionen treten in den Hintergrund, so etwas wie Ruhe kommt von hinten nach vorne oder von innen nach außen.

Manche Dinge werden nur für eine gewisse Zeit miteinander verbunden, dann wieder getrennt. Mit Deinen „Tagessätzen“, Fotos von täglich neu erschaffenen Verbindungen von Objekten, die Du ein Jahr lang täglich per E-Mail an einen Empfänger geschickt hast, hast Du Dir eine klare zeitliche Vorgabe gegeben und das Ergebnis schließlich im „Dabei-viele tage lang buch“ veröffentlicht. Was bedeutet der Faktor Zeit für Dich?

Die Zeit ist freundlich, kontinuierlich. Dinge sagen Grundsätzliches: „Da bist Du wieder, wir sind die Alten geblieben, Du hast Dich verändert.“ Wir können unsere aktuelle Zeit an ihnen messen. Wenn die Artefakte sich in der Öffentlichkeit gezeigt haben, dann gehören ihre Elemente in Zukunft zusammen. Solang ich Dinge „nur“ als Material für ein digitales Bild nutze, kann das Material in eine andere Welt emigrieren. Der digitale Print oder die mediale Sendung werden zu einer eigenen Sache – Gegenstände sind wie Chamäleons.

Deine Installation in der Ausstellung weckt Assoziationen zu einem Spielfeld und die Objekte wirken wie Figuren, die sich darauf bewegen. Was hat es damit auf sich?

Objekte sind wie kommunizierende Bündel. Sie gehen untereinander Beziehungen ein, bilden Konstellationen durch Gesten und Formen. Auf dem Podest hier im Marta wiederholen sich Formen, z.B. Kurven und Schnitte sowie Gegenstände z.B. Messgeräte, Sportgeräte, Pfeifen und Sohlen. Sie markieren Orte auf dem Feld.
Durch Dopplungen, Überschneidungen und Verdichtungen wird ein neues Bild geschaffen. Die Zuordnung der Elemente, die Aufstellung der Figuren ist modellhaft.

Welche Rolle nimmt der Betrachter dabei ein?

Er nimmt die wichtigste Rolle ein, weil er um das Podest herum läuft und Perspektiven mitbringt, die die Dinge in ungewohnte Bezüge heben. Wenn meine Spielfiguren offen und stark genug sind, dann können die Betrachter sich darauf einlassen und eigene Berührungspunkte und Handlungsmomente finden.

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