Stefan Eberstadts Installation Odeon im Kunstmuseum Bonn

Stefan Eberstadt, „Odeon“, 2007. Begehbare Raumskulptur zur Präsentation der Video-Sammlung des Kunstmuseums Bonn, Foto: © Kunstmuseum Bonn.

Für die Ausstellung „Der fremde Raum“, die am 28. Oktober 2016 im Marta Herford eröffnet wird, entwickelt der Künstler Stefan Eberstadt eine ungewöhnliche Installation in einem der unteren fünf Galerieräume. Mit diesem Projekt knüpft der Künstler auch an frühere Ausstellungen im Marta an, in denen die aktive Beteiligung des Publikums eine wichtige Rolle spielte: Booster. Kunst, Sound, Maschine (2014), Fragen wagen (2014) und Paarweise. Neue Werke aus der Sammlung Marta (2015). Im Folgenden nun einige Gedanken, die in Ideen Stefan Eberstadts einführen und dabei auch die neu entstehende Arbeit „Non Linear Story“ vorstellen.

Die Raumkonstrukte Stefan Eberstadts sind ausgesprochen vielseitig nutzbar und fungieren zudem als Grenzen und Gattungen sprengende Gebilde. Wahlweise kann man sie als Skulptur, Architektur und Design betrachten: als Werke in der Tradition der Moderne (vom Bauhaus bis zur Postmoderne), als Objekte in Designzusammenhängen und schließlich auch wie utopisch wirkende Raumstationen. So funktional seine Raumideen auf den ersten Blick wirken, so unterschiedlich und immer wieder neu kann sich das Publikum zu diesen verhalten.

„Sein künstlerisches Denken ist von einer selbstbewussten Haltung des Sowohl-als-auch geprägt. Ein Hocker ist zugleich eine Skulptur, die sich der Faltung aus der Fläche verdankt, eine Zeichnung kann architektonische Vorstellung evozieren, und eine große, raumgreifende Skulptur bildet funktionale Zonen aus.“ (Rasmus Kleine) Für die Ausstellung „Der fremde Raum“ wird Stefan Eberstadt eine aus Wänden, Arbeitspodesten und Möbeln bestehende Installation schaffen, die im Raum der Ausstellung mit dem Raum ihrer Betrachter interagiert: Sie führt ihnen vor, wie lebendig ein Ort werden kann, der sich – während dieser sorgfältig geplant und aus Industriebaustoffen wie Styropor und MDF-Platten endgültig gebaut – noch im Prozess seines Entstehens befindet.

Wechselseitig ergänzen sich in Eberstadts Installationen die Leichtigkeit des Gebauten und der verschachtelten Bauweise. Die Betrachter seiner „Non Linear Story“ werden höchst Unterschiedliches entdecken können: überraschende Durchgänge, leere Zwischenräume, aber auch scheinbar nutzlose, tote Winkel, die an labyrinthische Strukturen erinnern. Ob nun der Betrachter flanierend die Installation durchstreift, ihre Dimensionen zu verstehen versucht und testet, welche unbekannten Nutzungen hier ausprobiert werden können – eine Wahrnehmung, die Gewohntes in leicht veränderten neuen Zusammenhängen plötzlich fremd werden lässt, ist das, was Eberstadt auch hier interessiert. Die in der Installation leicht erhöht eingebaute Plattform in „Non linear story“ wird als Treffpunkt, Aufenthalts- oder Arbeitsbereich dienen. Hier werden Besucher zu Akteuren, die sich mit elementaren materiellen Handlungen wie Faltungen und Steckungen beschäftigen und mit einfachen akustischen Experimenten die Atmosphäre der Installation im Ausstellungsraum untersuchen werden.

Skizze der geplanten Installation von Stefan Eberstadt für die Marta-Ausstellung Der fremde Raum

„Non Linear story“ bietet seinen Besuchern so unterschiedlich sinnlich erfahrbare Optionen, in das vorhandene Material einzugreifen und dabei Freiräume – auch im übertragenen Sinne – zu entdecken und zu formen. „Es geht inhaltlich immer um Entscheidungen, darum, Dinge leicht dahingehend zu verändern, dass sie eine bestimmte Aussage bekommen. Das ist dann diese Wendung aus dem Material heraus, und die erkennt der Betrachter. Er kennt den Ursprung des Materials, aber er erkennt dann auch die Veränderung. Und darin liegt der eigentliche Gehalt einer Arbeit.“ (Stefan Eberstadt)

Ein solcher Ansatz bewegt sich zwischen Vision und Veränderung, zwischen Partizipation und Infragestellung von gewohntem Nutzendenken. Die Besucher als Handelnde lernen dabei ein Bewusstsein für ihr Handeln zu entwickeln und auf Unterscheidungen zu achten: etwa zwischen dem, was man immer noch machen kann ohne es optimal nutzen zu müssen und dem, was man immer noch verändern kann ohne jemals eine endgültige Form zu finden.

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