Foto von Maliks Projekt in der Herforder Innenstadt

Museen leben nicht nur von der Kunst und den Menschen, die tagtäglich hier arbeiten, sondern auch davon dass, MitarbeiterInnen, vor allem in den besonders stressigen und intensiven Phasen des Ausstellungsaufbaus für das Museum und die Künstler alles geben und ihre Begeisterung und Energie zur Verfügung stellen. Nach dem Fotografen Andreas Neumann hat uns diesmal der Künstler Malik Heilmann Einblicke in sein Leben und Arbeiten außerhalb von Marta gegeben.

Herfords Innenstadt ist durch zahlreiche wunderschöne Altbaufassaden geprägt. Einige sind jedoch so baufällig, dass sie dem Abriss geweiht sind – dieser lässt aber bisweilen noch auf sich warten. Seit kurzem geht an einer der Stellen, an der gerade noch ein trostloser Leerstand herrschte, die Sonne auf. Das gesamte Gebäude erstrahlt in einem warmen Gelbton, auf ihm findet sich die stilisierte Darstellung vom Mythos der Büchse der Pandora wieder, die dem Menschen Unheil und Hoffnung zugleich bringt. Die Initiative ging von dem Herforder Stadtführer Matthias Polster aus. Statt unschöner Leerstände wollte er den Besuchern ein freundliches und sehenswertes Herford präsentieren.

Skizze von Maliks Projekt in der Herforder Innenstadt

Ähnlich ist auch Maliks Bestreben: Seine Graffitis sollen ansprechen und einen Zugang zur Kunst ermöglichen, der ganz alltäglich erscheint. Seine eigene Liebe zur Kunst entwickelte sich über den Hip Hop. Durch das Musikgenre entdeckte er zu Beginn der 1990er Jahre das Sprayen als sein künstlerisches Ausdrucksmedium. Das war jedoch – auch wenn es noch immer eines der prominentesten Ausdrucksformen seiner Arbeiten ist – nur der Startschuss: Parallel eignete er sich immer wieder neue Techniken an, u.a. in einem Grafikdesignstudium an der Bielefelder FH bei Jochen Geilen und Dörries Höher.

Graffiti-Workshops, des Künstlers zeigten ihm, wie sehr sich diese Kunstgattung zur Ansprache und Faszination von Jugendlichen eignet. Das hat dieses Medium anderen wie beispielsweise dem der klassischen Malerei oder Bildhauerei voraus. Statt auf Verständnisbarrieren zu stoßen, treffen sie auf ein in Jugendkulturen bekanntes Medium und fühlen sich ernst genommen. In den Bann des Graffitis gezogen, werden auch als wenig zugänglich beschriebene Jugendliche produktiv kreativ und arbeiten engagiert und motiviert an eigenen Projekten.

Porträt, das den Künstler Malik Heilmann zeigt

Foto: Lucie Marsmann

Diese Vorbildfunktion, die Malik für diese Jugendliche mehr oder weniger bewusst in den Workshops einnimmt, thematisiert er indirekt auch in dem Theaterprojekt „Väter und Söhne” des Bielefelder Theaterlabors, an dem er aktuell mit Künstlern und Schauspielern aus unterschiedlichen Kunstgattungen arbeitet. Diese beschäftigen sich auf die ihnen jeweils eigene Weise mit dem Thema Männlichkeit. Malik selbst setzte sich schon in seinen Leinwandarbeiten mit dieser Thematik auseinander. Eine ganz neue Gewichtung erfuhr das Thema für ihn, als er seine Rolle als Vater zweier Töchter ganz bewusst reflektierte. Dabei geht es ihm nicht nur darum, seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden, sondern auch sind seine Töchter für ihn ein Vorbild: Er bewundert deren kindlich klare und mutige Kreativleistung, die bei Erwachsenen oft verloren geht.

Detail des von Malik gestalteten Teils der Säule

Mit dem Marta ist der Graffitikünstler schon seit 2009 verbunden: Hier setzte er für die Ausstellung „Unter freiem Himmel” von Paolo Chiasera stilisierte Bäume an die Wände der langen Galerie des Martas um. Seit dieser Ausstellung ist er dem Marta erhalten geblieben – zur Zeit auch sichtbar vor dem Museum auf der Säule der Tupac Skulptur von Chiasera. Zur Modifizierung durch Graffitikünstler war sie von Anfang an gedacht – Malik wagte sich im letzten Jahr gemeinsam mit einem brasilianischen Künstlerfreund Hudson Melo an das Projekt, das Ergebnis kann hier noch immer betrachtet werden.

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