Aufbau der "Instrumente" des 1. Deutschen Stromorchesters im Marta Forum

Bereits zum neunten Mal in Folge fand am vergangenen Wochenende die Herforder Kulturnacht statt. Für mich als neue wissenschaftliche Volontärin im Marta war es aber das erste Mal. Wo andere Großstädte mit einer Nacht der Museen werben, wird in Herford die gesamte Bandbreite der Kultur der Stadt, also u.a. auch ein Tanzfestival, unterschiedlichste musikalische Einlagen an verschiedenen Orten sowie neben der Öffnung der Kirchen selbstverständlich auch die der Ausstellungsstätten angeboten.

Da war natürlich auch in diesem Jahr das Marta Herford mit von der Partie und bot den BesucherInnen ein vielfältiges Programm. Freier Ausstellungsbesuch, die Marta Kunstsprecher, die sämtliche Fragen beantworteten, die den Gästen auf dem Herzen lagen, die Vorstellung der kreativen Recycling-Projekte der FUTURZWEI Stiftung Zukunftsfähigkeit, oder auch die Möglichkeit im Marta Atelier selbst kreativ zu werden, wurden angeboten. Nicht zu vergessen eines der Highlights der Herforder Kulturnacht: Die beiden Auftritte des 1. Deutschen Stromorchesters im Marta Forum, doch dazu gleich mehr.

Um 18.00 Uhr startete die Herforder Kulturnacht im Marta mit „Geschichten des Gelingens“, dem Projekt der Stiftung FUTURZWEI. Passend zu der aktuellen Ausstellung in den Lippold-Galerien des „7. RecyclingDesignpreises – Ausgezeichnete Ideen“ stellten hier einige Akteure ihre Projekte vor. Spannend und inspirierend war es zu hören, wie es Hannes Schmidt geschafft hat in Weimar aus altem Holz ein temporäres Restaurant zu errichten. Und auch, wenn das Projekt zeitlich begrenzt war, spielte hier die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle: Auf den Restauranttisch kam, was da war. Erst wenn die Zutaten eines Gerichtes aufgebraucht waren, wurde ein neues angeboten. So konnte das Restaurant, welches in einer Baulücke aufgestellt wurde und deshalb den Namen „die Lücke“ trug, ein Zeichen gegen die Lebensmittelverschwendung setzen. Weiter ging es bei FUTURZWEI mit Carina Bischofs Projekt Upcycling Fashion Store und den Gedanken des Philosophiedozenten Bernd Draser zu dem Nachhaltigkeitsgedanken im Design.

Ich zog dann zunächst weiter ins Marta Atelier neben dem Museum, wo es die Möglichkeit gab, sich selbst kreativ auszulassen. Eingeweichte Erbsen mit Zahnstochern luden dazu ein geometrische Formen und Figuren herzustellen, alte Plattencover konnten im Sinne des Recyclings in kleine Geldbörsen verwandelt werden. Auch wer es klassischer mochte, kam auf seine Kosten: Unter sachkundiger Anleitung entstanden mit Feder und Tusche auf Papier kleine Kunstwerke. Ob hier die Kinder oder die Erwachsenen mehr Spaß hatten, bleibt offen.

Einige Minuten vor 20:00 Uhr begab ich mich dann zu einem Highlight der Herforder Kulturnacht in das Marta Forum. Hier konnten schon den ganzen Abend ein Läutewerk der Herforder Elektromotoren Werke bewundert werden sowie eine eigenartig anmutende Mischung von Alltagsgegenständen aus den Bereichen Haushalt, Küche und Garten. In das gut gefüllte Marta Forum kamen dann pünktlich um acht Uhr die drei Herren des 1. Deutschen Stromorchesters – stilecht in gelben Elektrikeranzügen – und entlockten in einer knapp 45-minütigen Performance Kaffeemaschine, Laubbläser und vielen anderen Objekten, die eigentlich einen anderen Verwendungszweck besitzen, überrauschend wohlklingende Töne. Ganz wie ein klassisches Orchester waren die drei perfekt aufeinander abgestimmt und zogen das Publikum in ihren Bann. Insbesondere in den ersten Reihen war das Klangerlebnis unbeschreiblich. Hier, mitten in dem musikalischen Aufbau zwischen den so genannten Quadraphonen sitzend, fühlte man sich förmlich in die Performance mit einbezogen. Der Moment des Zufalls, der darin lag, dass hier Geräte des Auftritts des Stromorchesters im amerikanischen Hereford im deutschen Herford nun mit 110 Volt mehr betrieben wurden, ging in der im wahrsten Sinne des Wortes spannungsvollen Komposition unter.

Nach diesem unvergleichlichen Konzerterlebnis klang die Kulturnacht zu Live-Jazzmusik in der kupferbar im Marta aus. Ich freue mich schon auf die nächste Herforder Kulturnacht mit einem ebenso vielfältigen Programm und hoffentlich besserem Wetter.

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