Weltkindertag 2016: Weltweit wird für und mit Kindern gefeiert. Viele Länder und Städte erfinden ihre eigenen Formate rund um den 20. September. Zum 16. Mal wird der Tag in Herford gefeiert und zum 11. Mal ist das Marta mit dabei. Dabei sein heißt sich mitten im Getümmel von ca. 60 teilnehmenden Vereinen, Organisationen, Schulen, Kitas und Verbänden zu befinden, die alle ihre Arbeit vorstellen und Aktionen für Kinder anbieten – an einem leicht verregneten Samstag im Zentrum der Stadt. Es ist bunt. Sehr bunt. Es ist laut. Sehr laut. Und es ist vielgestaltig: Eine Bühne, eine Hüpfburg, ein Flohmarkt, eine kleine Eisenbahn, Kuchenstände, Glücksräder und Angebote zum Schminken zwischen Gartenpavillons Pagodenzelten, und provisorischen Unterständen. Und mittendrin steht das Marta-Zelt: 3 x 3 Meter Museum außerhalb des Museums.

Die Museumspädagogik in ihrem Stand auf der Veranstaltung zum Weltkindertag in Herford

Und jedes Jahr die Frage: Warum machen wir mit? Können wir unseren pädagogischen Ansprüchen gerecht werden? Bieten wir Raum und Zeit, die notwendig sind für viele schöpferische Prozesse? Wo bleibt die Kunst? Und jedes Jahr haben wir die gleiche Antwort: Die Teilnahme am Weltkindertag ist für die Vermittlungsarbeit des Museums eine liebe Pflicht geworden. Und jedes Jahr sind wir mit vollem Einsatz dabei.

Rückblickend haben wir schon einiges an Angeboten auf die Beine gestellt: Action Painting, einen Kunstkaufladen, eine Filmwerkstatt, Papierschöpfungen, Druckwerkstatt, Tonbergbau, Kartonstadtbau, Kunstklänge und immer wieder Farben und Formen als Thema. Und immer waren die Angebote im weitesten Sinn angelehnt an die Themen der aktuellen Ausstellungen. In diesem Jahr haben wir die Zentrifugalkraft von ausrangierten Salatschleudern genutzt, um Farbspuren auf Picknicktellern zu neuen Farbwelten mittels des Zufalls zu generieren. Auch können auf großen Pappkartons Städte ausgemalt werden und unsere Malmaschine lässt Kinder und Eltern staunen.

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Den Startschuss zum Fest gibt ein Kinderchor auf der Bühne: „Guten Morgen, Good Morning, Buenos Dias, Kalimera, Merhaba“. Und dann geht es los. Bei uns beginnt das Fest zögerlich, passend zum Nieselregen, aber dann …

Viele Kinder haben Lust auf Farbe, Eltern sind fasziniert von der einfachen Technik, sie fragen nach museumspädagogischen Angeboten, erzählen von ihrem letzten Besuch im Marta, stellen Fragen zur Kunst und einige äußern – eher zaghaft – dass sie noch nie im Marta waren. Aktionen und Gespräche rund um Kunst und Museum bestimmen den Tag.

So viel zur Praxis. Aber warum gehen wir eigentlich aus dem Museum heraus? Warum werden wir mobil? Wir haben doch eine tolle Architektur, ein attraktives Atelier, wir können im Museum im direkten Dialog zur ausgestellten Kunst vermitteln und arbeiten. Die Teilnahme am Weltkindertag gehört für uns zu einem ganzen Paket von Aktivitäten, die wir außerhalb des Museums anregen, an denen wir teilnehmen und die wir fördern, so genannte Outreaching Programme.

Unter diesem Begriff subsumieren Museen und andere Kultureinrichtungen ihre Aktivitäten außerhalb ihrer Institutionen. Dazu gehören auch verstärkt strategische Maßnahmen wie das Marketing. Outreachprogramme gehören in den letzten Jahren aber auch verstärkt zu einem festen Bestandteil der Bildungs- und Vermittlungsarbeit des Marta, um im Sinne eines allgemeinen Bildungsauftrages verstärkt die Nicht-BesucherInnen zu erreichen.

In unserem Museum wird sehr vielschichtig an den Vermittlungsformaten gearbeitet und die BesucherInnen differenziert angesprochen, doch es gilt immer noch, diese Ansätze stärker nach außen zu vermitteln – im Sinne einer aufsuchenden Kulturarbeit. Mit unseren Outreach Aktivitäten gehen wir vermehrt in sozialräumliche Strukturen und versuchen an die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten anzuknüpfen: Kunstbegegnungen in Altenheimen, Projekte in Kitas und Schulen, Zusammenarbeit mit Freizeiteinrichtungen, Angebote in Flüchtlingsunterkünften, Teilnahme an Informationsveranstaltungen und Festen wie dem Weltkindertag.

Wichtig ist für uns dabei die Vernetzung innerhalb der städtischen und regionalen Strukturen. Mit dieser Haltung verknüpfen wir den Wunsch, das Museum nicht nur als einen festgelegten und begrenzten Kulturort wahrzunehmen, sondern als einen kulturellen Motor, der ästhetische wie gesellschaftliche Fragen stellt und damit zur kulturellen Vielfalt einer Stadt/Region beiträgt.

Durch die Teilnahme am Weltkindertag öffnen wir vielleicht Wege ins Museum und schaffen Kommunikation und Teilhabe rund um die Kunst. Die Resonanz beim Weltkindertag zeigt jedes Jahr, dass wir auf einem Weg sind mit niederschwelligen Angeboten im öffentlichen Raum Nichtbesucher für das Museum zu interessieren und damit sehr deutlich einen Beitrag zur städtischen Kulturarbeit leisten.

Die Erfahrung aus der Praxis birgt auch immer Möglichkeiten Visionen zu entwickeln: aus einem Weltkindertag wird ein Weltkindermonat, ein Weltkinderjahr, eine Stadt für Kinder und Familien mit Kunst, Musik, Theater, Tanz und Literatur im Zentrum – ohne Grenzen.

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