Foto von Césare Peerens Rotorenblätterinstallation "Blade made furniture"

Die nächste Ausstellung wird groß! Dieser – häufig benutzte und bisweilen überstrapazierte – Spruch trifft beim diesjährigen RecyclingDesignpreis aber voll zu und kann wörtlich genommen werden.
Die Vorbereitungen für die Ausstellung liefen auf Hochtouren, als gestern Morgen ein Tieflader das größte Exponat anlieferte. Drei ausgediente Rotorblätter einer Windkraftanlage sollten auf der Marta Plaza zu einem überdimensionalen Sitzmöbel arrangiert werden. „Blade made furniture“, so der Titel dieser Arbeit von Césare Peeren, Mitglied des niederländischen Superuse Designstudios.
Bei der Anlieferung hatte ich meinen 3. Arbeitstag als wissenschaftlicher Volontär im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Meine Aufgabe, die Aufstellung ins rechte Bild zu rücken und fotografisch festzuhalten, war nicht einfach, bedenkt man, dass jedes der drei Rotorblätter eine Länge von rund 14 Metern aufweist. Und ich nahm an, dass auch das Aufbauteam Probleme haben würde, den Ausmaßen Herr zu werden. Kein Autokran, sondern nur ein Gabelstapler und einige Gurte standen als Hilfsmittel bereit. Zu meiner Verwunderung, ging das Abladen aber erstaunlich schnell und es bedurfte nur einiger Rangierfahrten mit dem Gabelstapler, bis alle Blätter ihren Platz auf der Plaza gefunden hatten. Die Größe täuschte, denn das tatsächliche Gewicht der Rotorblätter ist im Vergleich dazu relativ gering. Glasfaserverstärkter Kunststoff macht es möglich. Doch dieses Wundermaterial aus der Flugzeug- und Automobilindustrie, nützt nichts, wenn es darum geht ein Exponat dieser Größe ins Bild zu bekommen. Welcher Bildaufbau wird dem Objekt gerecht und vermittelt dem Betrachter die richtigen Dimensionen? Zahlreiche Probeschüsse und der wiederholte Wechsel der Aufnahmeposition, ließen mich nochmal dankbar sein, für die Unendlichkeit der Speicherkapazität, die die Digitalfotografie bietet.
Nach gut einer Stunde – weit länger als der eigentliche Aufbau gedauert hat – war dieses Objekt im Kasten und es ging weiter in die Lippold-Galerie. Hier warteten noch rund 50 weitere Exponate darauf, fotografisch festgehalten zu werden. Obwohl noch im Aufbau, bekam man schon einen guten Eindruck von der Vielfältigkeit des diesjährigen RecyclingDesignpreises: Tennisballmöbel, Briefkästen aus alten Verkehrsschildern oder abgenutztes Besteck, dem durch Emaillierung neues Leben eingehaucht wird (tubadesign). Tolle Ideen, bei denen es Spaß macht, sie durch den Sucher zu betrachten und abzulichten.


Bei meinem fotografischen Rundgang fiel mir eine Arbeit besonders ins Auge, die sich auf eine ganz andere Art und Weise mit dem Thema Recycling auseinandersetzt: Ester Althoff, Studentin am Westfalenkolleg in Bielefeld, recycelte nicht das Material, sondern den Inhalt eines Religionslehrbuches aus dem Jahr 1954. Mit Hilfe eines Cutters entfernte sie Worte und Sätze die ihr nicht mehr zeitgemäß erschienen und schaffte neue Sinnzusammenhänge.

Für mich handelt es sich um ein Werk, das im Vergleich zu den Rotorblättern auf der Plaza, sehr filigran und auf den ersten Blick fast schon unscheinbar daherkommt, in der Idee aber den anderen Ausstellungsobjekten in nichts nachsteht. Und wenn dann noch die Schöpferin dieser Arbeit, auch nach zahlreichen Pressefotos, immer noch gern für ein weiteres Bild zur Verfügung steht, freut es den Fotografen natürlich umso mehr.

Zurück im Büro, mit gut 100 Fotos auf der Kamera und der Nachbearbeitung noch vor mir, bleibt der erste Eindruck: Die Ausstellung präsentiert ein breites Spektrum des momentan allgegenwertigen Themas Recycling und manch eine Arbeit offenbart erst auf den zweiten Blick ihre wahre Größe. Ich bin gespannt wie die Ausstellung bei den Besuchern ankommt und werde bestimmt mal schauen, wie sie die Rotorblätter versuchen mit ihrer Kamera festzuhalten.

 
bastianvondeneichenBastian von den Eichen ist freischaffender Künstler. Im Marta gibt er Führungen zu aktuellen Ausstellungen, der Marta-Architektur und leitet Workshops.

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